Europameisterschaften 2017 in Kiew: Ein stolzes Kapitel Sportgeschichte!

Michelle Luisa Heimberg lebt ihren Traum und schreibt an den Wasserspring Europameisterschaften 2017 in Kiew eine schier unglaubliche Geschichte.

Überrascht ab den Dimensionen der Veranstaltung, der Professionalität der Organisation sowie den allgegenwärtigen Kameras und beeindruckt von der herrschenden Aura diverser Olympiateilnehmer, aber dennoch oftmals nachdenklich und berührt durch das soziale Umfeld eines Gastgeberlandes, welches nicht gerade auf Rosen gebettet ist.

So in etwa lässt sich der Einstieg vom Michelle in ihre erste internationalen Meisterschaften auf Elite-Niveau beschreiben.

Den Auftakt in die Wettkämpfe bildete der Mixed-Synchron-Wettkampf vom 3m-Brett am Dienstag gemeinsam mit ihrem Trainingspartner Jonathan SUCKOW von Genève Natation 1885. Obwohl im Vorfeld einige gemeinsame Trainingssessions absolviert wurden, bei welchen das Sprungprogramm auf hohen Niveau ausgeführt werden konnte, war das Nervenflattern und die herrschenden Nervosität den beiden Schweizer Junioren während dem Wettkampf gut anzumerken. Aufgrund der vielen neuen Reize nicht weiter erstaunlich; infolge dessen gelangen verschiedene Sprünge nicht ganz nach Wunsch. Am Ende des Wettkampfes resultierte unter den bestehenden Voraussetzungen mit 263.10 Punkten ein guter 5. Schlussrang (von gesamthaft 6 Teams).

Am Donnerstag bestritt Michelle ihren ersten Einzelwettkampf vom 3m-Brett. Nach wie vor konnte sie ihre Nervosität noch nicht ganz ablegen; entsprechend fiel der Vorkampf aus. Zwei von fünf Sprüngen gelangen nicht nach Wunsch; trotzdem war die Gesamtdarbietung für einen Finaleinzug mit den besten 12 Athletinnen stark genug, wenn auch als 11. Klassierte des Vorkampfes mit 242.50 Punkten eher knapp. Da mit einem Finaleinzug bereits ein persönliches Ziel der EM-Teilnahme erreicht war und im “schlimmsten” Fall lediglich eine Zurückversetzung um einem Platz auf den 12. Schlussrang “drohte”, konnte Michelle völlig unbeschwert und frei von Druck im Final antreten und diesen entsprechend geniessen. Hierbei zeigte sie starke Sprünge und steigerte sich mit jeder Runde in einen wahren Traumlauf. In der Endabrechnung resultierten 293.25 Punkte, was hinter der Ukrainerin Anna PYSMENSKA Silber und gleichzeitig den Vize-Europameistertitel vom 3m-Brett bedeutete – mit dem ersten Edelmetall für die Schweiz an den seit 1926 ausgetragenen Titelkämpfen ein historischer Erfolg!

Nach einem vermeintlichen Ruhetag, welcher durch sich gegenseitig überbietende Pressemeldungen und verschiedene Medienkontakte geprägt war, stand am Samstag der Abschlusswettkampf vom 1m-Brett auf dem Programm. Den Vorkampf ging Michelle bereits deutlich ruhiger als die vorherigen Wettkämpfe an; nach 5 Sprüngen und einem Total von 245.85 Punkten qualifizierte sie sich mit einer soliden Leistung auf dem 6. Rang für den Final der besten 12.

Auch wenn sich nach den langen Einsätzen in Kiew die Müdigkeit in ihren Beinen langsam bemerkbar machte, vermochte sich Michelle im Finaldurchgang nochmals zu steigern und sicherte sich mit 256.65 Punkten und dem 6. Schlussrang – welcher gleichbedeutend mit einem Diplomrang ist – einen weiteren Achtungserfolg. Europameisterin vom 1m-Brett wurde die Italienerin Elena BERTOCCHI.

Rückblickend kann der Einsatz von Michelle an den diesjährigen Europameisterschaften als voller Erfolg bezeichnet werden:

  • Michelle konnte erstmalig an internationalen Meisterschaften in der Kategorie Elite Luft schnuppern und sich der teilweise deutlich älteren Konkurrenz stellen sowie sich den internationalen Kampfgerichten präsentieren.
  • Die persönlichen Ziele von mindestens einem Finaleinzug wurden mehr als deutlich übertroffen; mit dem Finaleinzug bei beiden Einzelbrettern sowie einer Silbermedaille mit zugehörigem Vize-Meistertitel und einem Diplomrang hat Michelle gezeigt, dass sie mit 17 Jahren bereits als Juniorenspringerin in der europäischen Spitze angekommen ist.
  • Mit den Titelwettkämpfen vom 3m-Brett hat sich wieder einmal gezeigt, dass ein Wettkampf erst nach dem letzten Sprung entschieden ist; selbst mit einem mässigen Abschneiden im Vorkampf ist im Finaldurchgang oftmals noch vieles möglich.
  • Das Mysterium der internationalen Meisterschaften im der Kategorie Elite lichtet sich langsam; trotz einer deutlich grösseren und illustrenen Bühne geht es letzendlich “lediglich” darum, 5 Sprünge optimal zu tauchen und sich nicht von den glamourösen Begleiterscheinungen verunsichern zu lassen. In diesem Sinne ist Michelle gewappnet für die kommenden Junioren-Europameisterschaften Ende Juni 2017 in Bergen wie auch die Elite-Weltmeisterschaften Mitte Juli 2017 in Budapest.
  • Analog zu den Ergebnisse in den letzten Monaten hat sich gezeigt, dass der mutige Entscheid im Sommer 2016, ihr Trainingsumfeld nach Genève Natation 1885 mit der Cheftrainerin Christiane FAVIA zu verlegen, ein weiterer Schritt in die richtige Richtung zur Erreichung ihres grossen Ziels – eine Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2020 – war.

Der Gewinn der Silber-Medaille hat auch einiges an Presserummel mit sich gebracht. Für Michelle eine neue, aber durchaus positive Erfahrung, sich den verschiedensten Vertretern von Printmedien, Radio und TV zu stellen – insofern sich die Zusammenarbeit jederzeit äusserst professionell gestaltet hat. Für die Zukunft gilt es dennoch einzelne Optimierungen in der Pressearbeit zu erzielen, damit auch bei medienwirksamen Resultaten die notwendigen und gewissenhaften Vorbereitungen auf die folgenden Wettkämpfe nicht allzu stark beeinträchtigt werden.

Zusätzlich gilt es nun die mediale Präsenz bei der allgegenwärtigen Sponsorenakquisition als zusätzlicher Anschub zu nutzen, damit auch bei einer Randsportart wie Wasserspringen eine ausreichend gute finanzielle Basis gelegt werden kann.

Trotz der erzielten Erfolge und der sich zeitweise “überbordenden” Pressemeldungen bleibt zu hoffen, dass durch das Umfeld – wenn auch unbewusst – kein übermässiger und unrealistischer Erwartungs- bzw. Erfolgsdruck aufgebaut wird. Freud und Leid liegen beim Sport erfahrungsgemäss sehr nah beeinander; inbesondere an den kommenden Junioren Europameisterschaften in Bergen braucht es für einen Triumph 9 makellose Sprünge – die Mitbewerberinnen haben ihre Aufgaben und Vorbereitungen gemacht und sind ebenfalls bereit.

Michelle ist sich bewusst, dass dieser Erfolg nur durch die wohlwollende Unterstützung eines gemeinsamen Umfeldes möglich ist, welches an ihr Talent, Ihren Willen und die gesetzten Ziele glaubt und sie darin bestmöglichst unterstützt.

Aus diesem Grund geht ein besonderer Dank an

  • Den Stammverein Genève Natation 1885 und dessen Trainerstab; inbesondere die Cheftrainerin Christiane FAVIA und der Assistenztrainer Jonathan MALUSARDI.
  • Den unterstützenden, persönlichen Staff mit Mentaltraining, Ballettunterricht, Osteopathie und vielem mehr.
  • Die Trainingskollegen aus dem Stammverein Genève Natation 1885 sowie dem Schweizerischen Nationalkader, welche Michelle im täglichen Training anspornen und mit denen sie viele schöne gemeinsame Momente erleben darf.
  • Dem Schweizer Verband Swiss Swimming und insbesondere der Sportabteilung Wasserspringen (Swiss Diving).
  • Dem familiären Umfeld und insbesondere auch der Gastfamilie in Genf; welche jederzeit mit grossem Einsatz um das Wohl von Michelle ausserhalb des Sports bemüht ist.
  • Der Stiftung Schweizer Sporthilfe, den weiteren Sponsoren und Gönnern, welche mit ihrer grosszügigen finanziellen Unterstützung Michelle das Ausleben ihrer Leidenschaft ermöglichen.
  • Den Pressevertretern, welche ihre Berichterstattung stets professionel und mit der notwendigen Rück-/Nachsicht durchgeführt haben.
  • Sämtliche Freunde und Wohlgesinnte, welche bis dato nicht gesondert genannt wurden, aber mit Michelle an den Wettkämpfen mitfiebern und immer wieder für sie da sind.

Herzlichen Dank an das gesamte Umfeld von Michelle, Ihr habt alle einen wichtigen Teil zu diesem historischen Moment beigetragen – lehnt einen Moment zurück und geniesst die Früchte harter Arbeit gemeinsam mit Michelle!

 

#OneTeam #Sporthilfe #road2tokyo

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